Letzten Montag kam es hier in unserer wöchentlichen Abendmeditation zu einer etwas ungewöhnlichen Situation, da ich schusseligerweise unseren kleinen Korb mit sämtlichen Utensilien für den Ablauf der Meditation zu Hause vergessen hatte. Gong, Klanghölzer, Inkin-Glocke, Kerze, Dokusankärtchen, Kreuz, Buddha, usw., eben alles! Normalerweise ist ja alles vor Ort, aber dadurch, dass ich es zum letzten Sesshin mitgenommen hatte, war es gut und sicher verpackt und dadurch total übersehen zu Hause geblieben.
Erfreulicherweise haben unsere beiden an diesem Abend zuständigen AssistentInnen, nämlich Andreas und Nellie sofort improvisiert und aus der Küche unseres Gemeindezentrums dies und das organisiert, um den Ablauf möglich zu machen.
Der Gong und die Inkin-Glocke ertönten dadurch auf zwei wunderschönen kleinen Gläschen mit feinsten Gravuren. Vorsichtig angeschlagen wurden sie mit je einem kleinen Dessertlöffel.
Die Klanghölzer waren, wie ich erst später zum Kinhin (der Meditation im Gehen) bei Andreas bemerkte, durch zwei Suppenlöffel ersetzt worden.
Der Klang des Gläschens beim Einläuten der Meditation hinterließ bei mir eine kleine Verwirrung, da er sich natürlicherweise als etwas kurz angebunden darstellte, jedenfalls ohne Nachklang, aber immerhin war er gut zu hören.
Die Aufforderung zum Kinhin mit den beiden Löffeln nahm ich ziemlich ungerührt hin, konnte mich aber einer großen Freude und Heiterkeit nicht erwehren, als ich sah, wie der 1. Assistent an diesem Abend, also Andreas, ganz selbstverständlich und in entsprechender gesammelter Haltung die beiden Suppenlöffel ehrfürchtig durch das Zendo trug.
Herrlich!
Die 2. Assistentin an diesem Abend, also Nellie, schlug am Ende der Meditation anstelle der Inkin-Glocke ihr Gläschen mit größter Achtsamkeit und sehr sauber. Vermutlich nicht nur ich hielt sozusagen in großer Aufmerksamkeit die Luft an wegen der Zerbrechlichkeit des Glases und dessen ungewöhnlichem Klang. Aber alles lief einwandfrei und machte mir jedenfalls richtig Spaß.
Ganz wunderbar!
Klaus, der wegen der Dokusans nicht alles mitbekommen hatte, war völlig begeistert und meinte zu Nellie, einen so schönen sauberen Klang bei der Inkin-Glocke hätte er ja beinahe seit Jahrhunderten nicht mehr gehört ….!
In jedem Fall war es tatsächlich ein sehr erfrischendes Erlebnis, auch und gerade weil es uns ganz überraschend aus der üblichen Routine geworfen hat und, zumindest mich, dieses Mal ganz besonders aufmerksam hinhören ließ! Ich war ehrlich gesagt eindeutig wacher, als so manch anderes Mal, auch weil ich mich schließlich immer schon freute auf den nächsten Einsatz dieser ungewöhnlichen Instrumente.
Außerdem machte es mir mal wieder ganz deutlich, dass es wirklich nicht ankommt auf großartige oder wichtige Kleidung oder teure, ästhetische oder wertvolle Utensilien usw. Das, was wirklich und alleine zählt ist die Sache selbst und unsere innere Haltung dazu. Natürlich ist im Prinzip nichts einzuwenden gegen goldene Löffel, Schalen, mit Edelsteinen besetzt, und teure Stoffe und Gewänder, denn auch sie sind ursprünglich ja nur entstanden um die große Verehrung demgegenüber auszudrücken, welchen oder welches man anbetet. Und das kann und möchte man eben nur ausdrücken durch die wertvollsten Materialien, die man kennt. Das ist auch sehr, sehr schön, aber wie schnell geht es dann doch irgendwann bloß noch um den materiellen Wert der Utensilien und Gewänder und ihrer Ästhetik, die wir bestaunen und nicht mehr um das, was damit wirklich gemeint ist!
Also lieber auch mal Gläschen und Suppenlöffel als großartige Motivation und Anleitung.
Dazu kam dann auch noch die wunderbare Erkenntnis, dass durch diese Unterbrechung der Routine meine Aufmerksamkeit sofort wieder ganz auf den Moment gerichtet wurde. Nichts Gewohntes mehr, nein, erfreute Begegnung mit dem Augenblick, in dem immer wieder etwas Neues und Überraschendes geschah und geschieht. Ununterbrochen wie ein Anfänger schauen und lauschen. Das können wir immer und überall üben und realisieren. In jedem einzelnen Moment unseres Alltags und Lebens, denn jeder dieser Momente ist immer ganz neu. Dann lernen wir auch wieder beobachten, neugierig sein und staunen. Und dazu haben wir nun wirklich allen Grund. Das wünsche ich uns allen für diese Woche!
Ein „Hoch“ auf die Suppenlöffel, die waren für mich nun wirklich der absolute Knaller und ein großes Dankeschön an alle Beteiligten an dem letzten und dem heutigen heiteren und doch ernsthaften Abend!
U.R.-F.

