Ein Erfahrungsbericht
Es muss so 2011 oder 2012 gewesen sein, dass mich ein Freund auf die Praxis des Meditierens brachte. Ich fühlte mich unwohl, gereizt, müde und oft angestrengt.
Wir liehen uns einige geführte Meditationen auf CD aus, die ich unterschiedlich gut fand. Schließlich wurden wir darauf hingewiesen, dass es im Buddhistischen Zentrum in Essen regelmäßig angeleitete Meditationen gibt. Wir probierten das eine Weile aus, aber irgendwie wurde ich dort nicht heimisch, obwohl ich alles, was vermittelt wurde, inhaltlich annehmen konnte.
2013 fand ich heraus, dass es das Programm „Leben aus der Mitte“ im Bistum Essen gibt und meldete mich für ein Einführungswochenende an. Da ich stark christkatholisch geprägt bin, konnte ich mich schnell in das Setting einfinden. Außerdem flashte mich das Meditieren in einer so reizarmen Umgebung total. Die starren Formalia beim Zen fand ich zunächst einengend, bis ich begriff: Das ist ein wunderbarer Rahmen, der ist überall gleich und ich kann mich darin vollkommen fallen lassen. Wenn man sich darauf einlässt, muss man über keine Bewegung irgendwie nachdenken. Ein weiterer Faktor von Reizarmut. Großartig.
Fünf Jahre lang habe ich dann einmal die Woche dreimal 25 Minuten bei „Leben aus der Mitte“ meditiert. Nachher fühlte ich mich oft erfrischt, erleichtert, aufgeräumt, beschwingt. Ein wunderbares Gefühl. Darum, was Zen ist oder kann, hatte ich mich nicht gekümmert. Einmal wöchentlich Entspannung reichte mir.
Irgendwann wollte ich mehr. Ich nahm an einem Sesshin (ein mehrtätiges Meditationswochenende) bei Klaus Fahrendorf und an einem weiteren Sesshin teil. Danach stand für mich fest, ich möchte Schüler bei Klaus werden. Und er nahm meine Bitte um die Schülerschaft an.
Als Schüler verpflichtet man sich täglich zu meditieren, so oft, wie es geht, an einer Meditationsgruppe teilzunehmen und ca. zwei Sesshins pro Jahr zu besuchen. Jede Aktivität geht vom Schüler aus. Er bittet im Dokusan (dem Gespräch mit dem Lehrer während die übrigen in der Gruppe weiter meditieren) um das, was er erfahren möchte und um Tipps, wie er die Übung (das Meditieren) gestalten kann. Und das ist nur einer von vielen Perspektivwechseln beim Zen im Vergleich mit unserer westlichen Denke. Durch das Üben mit Anleitung lerne ich viel über mich, meine Mitmenschen und meine Beziehung zu ihnen. „Loslassen“ ist in diesem Zusammenhang ein zentraler Begriff. Ich habe sehr viel geübt und gelernt in den letzten Jahren. Und mache weiter.
A.C.